Schulkongress – Für die beste Bildung der Welt

NRW ist Stauland Nr. 1. Das ist diese Woche erst in einer neuen Studie belegt worden. Und die Folgen erreichen uns heute Abend ganz unmittelbar. Verkehrchaos in Düsseldorf. Und dazu auch noch Regen. Na prima! In der Landeshauptstadt geht’s heute Abend nicht mehr voran. Und einige unserer Referentinnen und Referenten, Besucherinnen und Besucher stecken fest. Wir warten. Der Plenarsaal des Landtags füllt sich langsam.

Wulf Pabst, Moderator an diesem Abend, tritt in die Mitte des Plenums, bittet um etwas Geduld, verweist auf das Verkehrs-Chaos, das den Weg zum Kongress erheblich erschwert.

18.15 Uhr. Es geht los. Statt Infrastrukturprobleme, rückt das eigentliche Thema des Abends in den Mittelpunkt. Bildungspolitik. Darum geht es heute beim Schulkongress der FDP-Landtagsfraktion NRW, der auch live im Stream übertragen wird: fdp.fraktion.nrw

Dr. Gerhard Papke tritt ans Rednerpult. Der Vizepräsident des Landtags NRW, sieben Jahre lang Vorsitzender der FDP Landtagsfraktion in „sehr bewegten Zeiten“, begrüßt die Gäste. Eigentlich wollte Christian Lindner jetzt an dieser Stelle stehen. Kurzfristig musste er aber aus persönlichen Gründen absagen. Schnell wurde umgeplant. Gerhard Papke springt ein. Ein routinierter Redner. Landesthemen, Bildungspolitik kennt er aus dem Effeff.

„Für die beste Bildung der Welt, so lautet nicht nur die Formel für den Abend, das ist die Parole für die Freie Demokraten eintreten und werben,“ sagt  Gerhard Papke. Ob das etwas überambitioniert sei? „Nein“, liefert er prompt die Antwort. „Wir müssen den Mut haben, zu diesem außerordentlichen Ziel zu stehen.“ Wenn man sich heute mit mittelmäßiger Bildung zufrieden gibt, würde das dass morgen ein mittelmäßigem Leben in Deutschland. Stimmt!!

Die Freien Demokraten möchten, bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts wieder zur Spitzengruppe gehören und wieder Maßstäbe setzen. Das primäre Ziel der Freien Demokraten: Chancen ermöglichen. Und da gibt es noch etliches zu tun.

Ich muss da direkt an das Thema Digitalisierung denken oder MINT-Fächer oder die Umsetzung der Inklusion, den Unterrichtsausfall, über den gerade erst wieder in vielen Medien berichtet worden ist….

Aber zurück zum Thema des Abends: beste Bildung, beste Bildungschancen. Die Idee der FDP: Schulen mehr Freiheit geben und von Bürokratie zu befreien, Schulen stark machen und mehr Gestaltungsspielräume vor Ort geben. Genau darüber wird heute Abend diskutiert. Wie geht das? Wie kann dieser Prozess gestaltet werden? Die FDP stößt diese Diskussion an – ein offener Reformprozess. Anders als bei Rot-Grün also keine Sturkturveränderung von oben. Das wird die Eltern, Lehrer und Schüler freuen.

Der Dialog ist eröffnet. Nicola Beer, Generalsekretärin der FDP und Kultusministerin a.D., stellt ihre Ideen und Ansätze vor.  Während ihrer Zeit als Ministerin hat Hessen Schulfreiheit vorangetrieben und verschiedene Stufen etabliert. Ihre Erfahrungen damit sind gut. Das Rezept klingt einleuchtend: Verbesserung der Föderung und der Unterrichtsqualität als zentrales Kriterium.

„Das einzelne Kind, der einzelne Schüler muss im Mittelpunkt der Bildungspolitik stehen“, fordert Nicola Beer. Was sich wie eine Selbstverständlichkeit anhört, gelingt leider viel zu oft im Schulalltag viel zu selten. Eine echte Herausforderung. Denn natürlich kostet individuelle Förderung. Auch das ist keine echte Überraschung. Beer schlägt einen Bildungspakt über alle Eben vor, der investiert. Schließlich geht es um Können, Wissen und Fertigkeiten.

Einen Blick über den Tellerrand gewährt Drs. Bob van de Ven, Vorsitzender des Niederländischen Forums. Er fordert, zu vergleichen – was können wir voneinander lernen, fragt er. Eher rhetorisch. Er hält ja einen Impulsvortrag. Deutschland, damit verbindet jeder sofort das Land der Dichter und Denker, fängt er an. „Aber die gute Idee von Schulfreiheit, habe in Deutschland leider nur die FDP“, schiebt er sein Bedauern nach.

Die Niederlande, eher klein und flach, da denkt man an Strandurlaub, Radeln, Wochenendsflüge – aber an Bildung? Hmmm…. wohl eher selten. Holland sei das Land der Schulmeister und Pfarrer, was erstmal nicht so gut klinge. Aber: Typisch niederländisch sei die Liebe zum Unterrichten, Freidenker. Unternehmerisch und abenteuerlich seien seine Landsleute.

Und genau da liegt auch der Unterschied, der Bildung in den Niederlanden und Deutschland ausmacht. Denn auch Schulen sind hier weitestgehend selbständig. Dezentrale Strukturen, Schulautonomie – das fügt sich in das Staatsverstädnis der Niederlande ein. Van de Ven ist überzeugt. Und überzeugend. „Wie ist es in Deutschland mit der Schule und dem Staat“, hakt er nach. Und setzt noch eins drauf: die Schulen müssen gute Lehrer haben, die für gute Qualität der Bildung sorgen. In den Niederlanden stehe das im Mittelpunkt der niederländischen Gesetzgebung. Das Ergebnis: ein demokratisches, vielfältiges Bildungsangebot und Chancengleichheit für alle Kinder und ganz klar, Freiheit in der Bildung.

Das wird im Laufe des Abends sicher noch diskutiert. Für seinen Impuls erhält er starken Applaus.

„Die beste Bildung“ – so lautet der Titel des nächsten Vortrags. Prof. Dr. Wilhelm Bos, ausgewiesener Bildungsexperte, Professor für Bildungsforschung und Qualitätssicherung an der Technischen  Universität Dortmund. Parteilos sei er. Das Publikum lacht amüsiert, als Bos anfügt, er gehe aber trotzdem gerne zu den Parteien. Manche würden ihn allerdings gar nicht einladen. Hier bei den Freien Demokraten hat er ein Forum. Er begrenze sich bei seinen Ausführungen ausschließlich auf Schulbildung. „Sonst wird das eine wochenlange Veranstaltung.“ Dann steigt er in die wissenschaftliche Betrachtung bester Schulbildung ein.

Die Ziele: Qualifizierung – Vermittlung von Kompetenzen; Sozialisierung – die Integration in die Gesellschaft; Subjektivierung – die Entwicklung der eigenen Identität und Lebensvorstelllung z.B. autonom und unabhängig zu denken und zu handeln.

Es folgt ein Blick auf die unterschiedlichen Ergebnisse deutscher Schüler in Bildungsstudien. „Ein bisschen besser als durchschnittlich sind wir schon.“ Puh! Das klingt ernüchternd. Das sitzt. Aber gut, es sind die Fakten. In den Kernfächern schneiden die Schüler also durchschnittlich bis gut ab. Und in der politischen Bildung? Schwach. Woran das liegt? Dazu wäre mehr Forschung interessant. Ohne Zweifel.

Bos hat klare Vorstellungen: Budgetautonomie an Schulen, sollte nur bei Qualitätskontrolle erfolgen. Und Bos hat Ergebnisse dabei, die klare Schlüsse zulassen. Mehr Schulfreiheit und weniger Bürokratie, um Schülern bessere Chancen zu ermöglichen. Dies sei auch im internationalen Vergleich erkennbar eine gute Idee. NRW sei mal Vorreiter gewesen und habe such in Sachen selbstständige Schule einiges auf den Weg gebracht. Das ist allerdings wieder zurückgedreht worden. Aber: was nicht ist, kann ja noch werden. Man könne ja wieder etwas in die andere Richtung schrauben. Bos macht Mut. 🙂 Und bekommt großen Beifall für seine Thesen.

Einen eindringlichen Rat an die Politik hat Bos auch noch im Gepäck: Das Gymnasium ist nicht abschaffbar. Wer das Gymnasium wolle, könne gleich Selbstmord begehen. Harte Worte! Aber die Freien Demokraten wollen das Gymnasium stärken, nicht abschaffen. Das versucht – Schritt für Schritt und auf lange Sicht – Rot-Grün!

Eine Frage, ein Ziel (gute Bildung) – und jeder hat eine etwas andere Antwort, wie dieses Ziel erreicht werden kann. Wir sammeln die Impulse. Und jetzt darf das Publikum nach viel Input seine Fragen an die Experten in zwei Fragerunden richten. Runde 1) Mehr Gestaltungsfreiheit für Schulen – wie kann das gehen?

Runde 2) Mehr Verantwortung für mehr Chancen – wer setzt es um?  Spannende Fragen!

Tolle, engagierte Diskussion. Die Debatte könnte wohl noch Stunden so weitergehen. Aber heute ist ja nur der Auftakt für das Projekt Schulfreiheit, das die FDP im Landtag NRW anstößt. Darauf weist auch Yvonne Gebauer, bildungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion NRW in ihrem Schlusswort hin.

„Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit, das Geheimnis der Freiheit aber ist der Mut“ – zitiert die Bildungsexpertin die Worte des antiken griechischen Historikers Thukydides. Die FDP ist mutig und möchte in NRW ein Schulfreiheitsgesetz auf den Weg bringen. „Weil wir meinen auf diesem Weg zu einer besseren, zu bester Bildung zu kommen“, betont Gebauer. Die Veranstaltung heute, ist nur der Auftakt für diesen Prozess zu dessen Mitarbeit die Freien Demokraten ausdrücklich einladen.  Denn das Ziel Schulfreiheit soll gemeinsam erarbeitet und nicht von oben übergestülpt werden.

„Scheuen Sie sich nicht, uns Kritik und Anregungen mituzteilen, die wir in diesen Prozess aufnehmen“, fordert Yvonne Gebauer auf. Das ist doch mal ein Angebot! Mitgestalten ist angesagt! Also los! Wir sind gespannt auf Eure Ideen und Vorschlägen. Schreibt uns. Denn es geht um unsere Kinder und unsere Zukunft! #Schulfreiheit

Ein Gedanke zu „Schulkongress – Für die beste Bildung der Welt

  1. (Eine Schule in Schweden, siehe „Text“ unten) Genau so!….mein anstreben! Seit diese Schule keine Hausaufgaben mehr hat und das Lernen nur in der Schule stattfindet, sind die Noten der Schüler gestiegen. Vandalismus hat sich reduziert und die Schüler haben mehr Lernbereitschaft. Die Kinder haben länger Unterricht und bekommen Mittagessen. Das ganze hat nicht viel gekostet, die Zeiten der Lehrer wurde umverteilt. Wir brauchen eh mehr Lehrer, angeblich ist das Geld ja da, aber Schulen können und dürfen diese Ressourcen auch anders nutzen!!
    Ich fühle mich als verlängerter Arm der Lehrer! Das ich eingreife, wenn mein Kind abfällt, ist selbstverständlich! Aber ich bin nicht für den pädagogischen Misserfolg unserer Lehrer da, die ihre Verantwortung auf uns abwälzen!

    „Skola slopade läxor – gav rekordhöga betyg
    När eleverna på Norrevångsskolan i Karlshamn slapp läxor – då sköt betygen i höjden. Nu hoppas rektorn Patrik Johnsson att fler skolor tar efter. – Jag är helt övertygad om att detta är rätt väg. Vi kommer fortsätta med det här, säger han.
    EXPRESSEN.SE“

    Herr van de Ven hat doch alles auf den Punkt gebracht! Die Lösung liegt so nah! Nur Mut! Damit unsere Kinder nicht weiterhin den Mut verlieren!

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