Vor Ort: Eindrücke aus einer Flüchtlingsunterkunft

Fast stündlich gibt es derzeit in den Medien Neuigkeiten zur Flüchtlingskrise. Aber: Wie sieht die Situation vor Ort aus? Welche Herausforderungen müssen die Kommunen bewältigen? Unser Fraktionsvorsitzender Christian Lindner und  unser Flüchtlingsexperte Joachim Stamp waren gemeinsam mit Marie-Agnes Strack-Zimmermann, der Fraktionsvorsitzenden im Düsseldorfer Rat, an Ort und Stelle, um sich ein Bild zu machen.

Lange Tischreihen, laufende Waschmaschinen, sich unterhaltende Menschen – es herrscht eine unaufgeregte, aber „wuselige“ Atmosphäre während unseres Besuchs in der Flüchtlingsunterkunft an der Itterstraße in Düsseldorf. Die Menschen sind freundlich, viele schüchtern und manche auch etwas neugierig. Rund 300 Flüchtlinge sind in Düsseldorfs erster Zeltstadt untergebracht, die meisten von ihnen vom Balkan, einige aus Syrien. Noch bis Oktober – danach sollen die Zelte abgebaut und die Flüchtlinge in winterfeste Unterkünfte verlegt werden. Das können Bestandsgebäude wie Wohnhäuser oder Hallen sein, aber auch Containeranlagen.

Koordiniert wird das alles von Düsseldorfs Flüchtlingsbeauftragter Miriam Koch. Die Stadt hat derzeit rund 4.500 Flüchtlinge aufgenommen und täglich werden es mehr. Das alles wäre ohne ehrenamtliches Engagement kaum zu stemmen. Schon über 3.000 Bürger haben sich zum Helfen gemeldet. Hier im Zelt bieten auch Sportvereine an einem Aushang verschiedene Kurse an. Eine wirklich beachtliche Leistung aller, die mit anpacken um diese Mammutaufgabe zu meistern! Sie zeigen, dass es möglich ist, integrationsfördernde Angebote auf die Beine zu stellen.

Schon in Zeltstädten wie dieser hier in Düsseldorf wird das Fundament für eine erfolgreiche Integration der Flüchtlinge in unsere Gesellschaft gelegt. Schon hier muss unsere liberale Wertekultur vermittelt werden.

Miriam Koch, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Joachim Stamp und Christian Lindner sind sich einig: Um die großen Herausforderungen in der Flüchtlingspolitik zu stemmen, ist ein gemeinsames, mutiges und entschlossenes Handeln notwendig.

In der Pflicht steht vor allem der Bund. Er sollte die gesamten Kosten der Flüchtlingsversorgung übernehmen.  Aber das allein reicht nicht. Um alte Fehler zu vermeiden und zu verhindern, dass die Flüchtlingskrise zu einer Integrationskrise werden könnte, müssen Verfahren gestrafft und ein Einwanderungsgesetz für eine geordnete Zuwanderung auf den Weg gebracht werden. Dazu muss etwa auch die Liste der sicheren Herkunftsländer um die Staaten des Westbalkans erweitert werden und die Visumspflicht für alle Teile des ehemaligen Jugoslawiens und für Albanien erfolgen.

Und die stapelweisen, unbearbeiteten Altanträge von über 300.000 anhängigen Verfahren, die es bundesweit gibt? Müssen zügig abgebaut werden. Möglich wäre das nach Ansicht der drei FDP-Politiker, wenn zum Beispiel Altanträge von Syrern, Irakern und Eritreern pauschal anerkannt würden. Nur einige der wichtigen Schritte, die endlich umgesetzt werden müssten.

In der Zeltstadt, die aus zwei Camps mit je einem  Schlaf- und einem Versorgungszelt besteht gewähren uns einige der Flüchtlinge einen Blick in ihre Schlafstätte. „Bitte klopfen“ steht neben dem Eingang. Das erzeugt ein mulmiges Gefühl – denn hier gibt es gar keine Tür. Die Schlafräume mit Betten für 6-8 Personen sind nur durch Vorhänge abgetrennt. Während der Regen auf das Zeltdach prasselt, können wir uns nur ansatzweise vorstellen, wie unruhig die Nächte hier sind. Die fehlende Privatsphäre ist, mehr noch als der fehlende Platz, eines der dringlichsten Probleme im Alltag dieser Unterkünfte, bestätigt Miriam Koch.

Anders soll dies im zukünftigen Flüchtlingsheim an der Moskauer Straße werden. Hier entsteht gerade eine Unterkunft, die auf Containermodulen basiert. Und bei der Besichtigung der Baustelle staunen wir nicht schlecht: Der Innenausbau ist bereits in vollem Gange. Die Chancen stehen gut, dass hier nach wenigen Wochen Bauzeit bereits Mitte Oktober die ersten Flüchtlinge einziehen können. Ein weiterer Vorteil: Die Unterkunft kann aufgrund ihrer modularen Bauweise und der verbauten Materialien auch in Zukunft für andere Zwecke weiterverwendet werden. Das ist mal nachhaltiges Unterkunftsmanagement!

Ein Gedanke zu „Vor Ort: Eindrücke aus einer Flüchtlingsunterkunft

  1. Die Gemeinden sollten in den örtlichen Zeitungen veröffentlichen, dass sie Wohnungen suchen, um Flüchtlinge bzw. Flüchtlingsfamilien unterzubringen. Damit wär das Problem der Gettoisierung gelöst und die Integration erleichtert. Wenn die Stadt als Mieter auftritt und entsprechend gegenüber dem Vermieter haftet, müssten Vermieter melden.
    Mit freundlichen Grüßen!
    Christian Haase
    FDP Stadtverband Marl

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