In der Weihnachtsbäckerei

Wer liebt ihn nicht? Den Geruch von Teig in der Nase und dabei die Vorstellung von frisch gebackenen Brötchen vor Augen. Nicht nur das ist beim Besuch unseres Parlamentarischen Geschäftsführers Christof Rasche und unseres mittelstands- und handwerkspolitischen Sprechers Ralph Bombis bei der Bäckerei Niehaves in Wickede an der Ruhr wahr geworden. Wir haben auch viel über gelebtes Handwerk in einem Familienunternehmen und die Herausforderungen eines mittelständischen Bäckereibetriebs gelernt. Und über Schokoladenweihnachtsmänner.

Die Brüder Niehaves beherrschen ihr Handwerk. Das merken wir schnell als Sie Ralph Bombis und Christof Rasche durch die Produktionshalle des Familienbetriebs führen. 1978 gründeten ihre Eltern die Bäckerei-Konditorei Niehaves. Noch heute wird hier alles selbst gemacht, freilich mit besserer Technik. Und auch bei den Maschinen packt der Chef noch selbst mit an. Martin Niehaves – nicht nur Bäckermeister, sondern auch gelernter Werkzeugmacher – wird direkt hellhörig als eine der Maschinen quietscht. Das würde er sich die Tage mal ansehen, sagt er.

Die Niehaves haben ein gutes Gleichgewicht gefunden. Jeder hier beherrscht sein Handwerk im Detail, durch gezielte Investitionen in den Maschinenpark kann aber auch die Masse bedient werden. Allein 40.000 Berliner werden hier am Rosenmontag gebacken und 51 Filialen wollen täglich mit frischer Ware beliefert werden. Dennoch wird in den Gesprächen schnell deutlich, dass es um Wachstum mit Maß geht. Die Regionalität des Betriebs steht im Vordergrund und die Inhaber betonen die Wichtigkeit ihrer Unabhängigkeit als Mittelständler gegenüber industrieller Unternehmen. Hieraus schöpfen sie auch die Kreativität, die sie zum Beispiel für neue Konditorkreationen benötigen – das Steckenpferd des gelernten Konditormeisters Hermann Niehaves junior. Hier steht Individualität im Vordergrund, die aber durch die Förderung von Massenindustrie zulasten des mittelständischen Handwerks immer weiter in den Hintergrund rückt. Eine Gefahr, auch für die regionale Verankerung. So sind es doch diese Mittelständler, die sich bei Gemeindefesten engagieren oder dem örtlichen Sportverein einen neuen Satz Trikots sponsoren.

Nachdem wir an Hunderten Brötchenrohlingen, einer ganzen Horde von Stutenmännern und einem roten Teppich aus Kirschen – die dazugehörigen Streusel wurden gerade aufgetragen – vorbei gehen, können wir dem Geheimnis der Schokoladenweihnachtsmänner auf den Grund gehen. Wir dürfen sozusagen einen Blick unter die Folie werfen. Und dann ist es da – das Gefühl, mitten in der Weihnachtsbäckerei zu stehen. Was seit den strikten Regulierungen der Ladenöffnungszeiten tatsächlich bedeutet, an Weihnachten backen zu müssen. Denn entgegen der Kundenbedürfnisse, eher am zweiten Weihnachtsfeiertag raus und zum Bäcker zu gehen, müssen diese nun schließen und dürfen nur am ersten Feiertag verkaufen. Nicht nur, dass das Arbeit für die Bäcker an Heiligabend bedeutet. Sie müssen am zweiten Weihnachtsfeiertag zusehen, wie die Kunden in Scharen zur Tankstelle pilgern. Die dürfen nämlich auch am 26. Dezember Brötchen verkaufen.

Und übrigens auch Schokoladenweihnachtsmänner. Wer sich bei diesen Zeitgenossen schon mal gefragt hat, wie sie ihre Augen und Bärte aus weißer Schokolade bekommen: Die Gussformen werden von innen mit selbiger bepinselt, bevor sie dann mit Vollmilchschokolade gegossen werden. Bei Niehaves ist auch das Handarbeit.

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