Digital und vernetzt in der Energiewelt von morgen

Bevor Otto nach Feierabend in sein Elektro-Auto steigt, reguliert er mit dem Smartphone kurz die Heizung zu Hause. Er muss noch etwas erledigen, kommt etwas später heim. Also gibt er auch noch kurz dem Fernseher Bescheid, dass er das Champions League-Spiel aufzeichnen soll. Nächster Merkposten: Otto möchte nicht vergessen, die Waschmaschine zu befüllen, damit sie in der Nacht läuft, wenn der Strom am günstigsten ist. Durch die Übermittlung seines Stromverbrauchs per Smart-Meter kann er so auch zur Netzstabilität beitragen, da bedarfsgerechter produziert werden kann.

So ähnlich sieht die Energiewelt von morgen für Verbraucher wohl aus. Einen Ausblick darauf geben die Aussteller auf der Energiefachmesse E-World in Essen. Mittendrin unsere Abgeordneten Dietmar Brockes, Ralph Bombis und Thomas Nückel, die ihr Bild davon, wie die Trends, Entwicklungen und Herausforderungen der Branche aussehen, in vielen Gesprächen erweitert haben.

Allgegenwärtig sind die Themen Vernetzung und Digitalisierung. Das wird im Gespräch mit Trianel deutlich, dem führenden Stadtwerke-Netzwerk in Deutschland und Europa. Dabei spielt der Datenschutz freilich eine bedeutende Rolle. Denn die Verbrauchserhebung von Strom, Wasser und Gas soll künftig mittels „intelligenter Zähler“, so genannter Smart-Meter, digital und automatisiert erfolgen. Die Erstellung individueller Nutzerprofile ist jedoch kritisch zu beobachten, sind sich Brockes, Nückel und Bombis einig.

Gleichzeitig wird hier in Essen bei allen Visionen und Innovationen auch klar: „Die Energiewende ist ein Marathonlauf, kein 100-Meter-Sprint. Ein ausgewogener Energiemix bleibt wichtig, sowohl mit Blick auf die Preisentwicklung als auch auf die Netzstabilität“, sagt unser energiepolitischer Sprecher Dietmar Brockes. Denn durch die erneuerbaren Energien ist das Stromnetz großen Schwankungen unterworfen. Um diese ausgleichen zu können, werden weitere Innovationen benötigt. So stellt die Steag das größte kommerzielle Batteriespeicherprojekt der Welt vor, das bei plötzlichem Spannungsabfall oder -anstieg zur Stabilität des Netzes beitragen kann.

Neben solchen neuen Technologien bleibt aber vor allem der Infrastrukturausbau entscheidend. Und dafür die Akzeptanz der Bürger. Wie die gesteigert werden kann, zeigt Open Grid Europe am Beispiel der geplanten Zeelink-Pipeline. Auf mehreren so genannten Dialogmärkten will das Unternehmen Bürgerinnen und Bürger bereits im Raumordnungsverfahren informieren und einbinden. So soll die Akzeptanz für das Projekt erhöht und Verzögerungen vermieden werden.

Die Dynamik der Branche ist auf der Messe allerorts greifbar, ebenso wie viel Unsicherheit. Denn kaum eine Branche ist so stark von gesetzlichen Regulierungen abhängig wie die Energieindustrie. Die politischen Entscheidungen der jüngeren Vergangenheit haben nicht zur Planungssicherheit beigetragen. Genau die ist aber nötig, damit Otto in der Zukunft sauberen, sicheren und bezahlbaren Strom beziehen kann.

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