#HandwerkNRW: Unterwegs zur Wirtschaftsmacht von nebenan

Wir nutzen den Sommer und sind unterwegs auf Handwerkstour durch NRW. Ralph Bombis besucht unterschiedlichste Betriebe, um mit Unternehmensgründern, Meistern, Gesellen, Auszubildenden und Handwerksorganisationen ins Gespräch zu kommen und zu erfahren, wo es gut läuft und welche Herausforderungen sie sehen. Wir wollen Handwerk und Mittelstand stärken, denn wir sind überzeugt, dass das Handwerk einen wichtigen Beitrag leisten kann, um NRW wieder auf Wachstumskurs zu bringen.

Tag 1: Münsterland

Es geht gut los! Die Autobahnen in NRW sind in den Sommerferien zur Abwechslung frei. Und so können wir ohne Stress und voller Elan gemeinsam mit unserem münsterländer Abgeordneten Henning Höne bei unserer ersten Station in Beckum beim Unternehmen Movanum loslegen. Inhaber Daniel Fust gründete das Orthopädie-Zentrum für Gesundheit und Bewegung 2014  als Nachfolgeunternehmen des elterlichen Orthopädie-Meisterbetriebes. Er wagte mit der Marke Movanum gewissermaßen einen Neuanfang. Sie setzt sich zusammen aus den lateinischen Begriffen „movere“ und „manum“ also „bewegen“ und „Hand“. Denn darauf basiert das Konzept des Unternehmens: Menschen mit Hilfe des Handwerks wieder in Bewegung bringen. Das bedeutet in der Praxis, dass der Kunden- bzw. Patientenkontakt nicht an der Ladentheke beendet ist. Fust setzt auf eine langfristige Beziehung und hilft den Menschen, mit Protesen, Orthesen etc. zurechtzukommen. Dafür gibt es eigens eingerichtete Trainingsräume.

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Umso besser, dass auch seine Frau als Physiotherpaeutin und, nach wie vor, sein Vater als Schuhtechniker mit an Bord sind. Potenzial sieht Daniel Fust in der Digitalisierung. In unseren Gesprächen zeigt sich, dass die menschliche Beratung zwar weiterhin elementar bleibt, vor allem mit Blick auf sensible Themen wie Einfühlungsvermögen und Schmerzempfinden. Digitale Techniken können aber vor allem in der Produktherstellung die Qualität maßgeblich steigern.

Nach einem interessanten Austausch geht es weiter nach Münster. Hier begrüßt uns Julian Sievers, Geschäftsführer der Sievers Gruppe und Vorsitzender der Wirtschaftsjunioren. Der Betrieb, den sein Vater vor über 35 Jahren gründete, wurde als Anbieter von Alarmanlagen groß. Heute vertreibt Sievers mit rund 70 Angestellten umfangreiche Sicherheitssysteme und unterhält eine Notrufservice-Leitstelle für Alarmanlagen und  Notrufe aus dem Gesundheits- und Pflegebereich mit über 2.000 Aufschaltungen.

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Gerade für die Sicherheitsbranche sind Innovationen im Bereich der Smart Home-Technik von großem Interesse. Das gilt auch im Bereich der Pflege und Notfallversorgung. Notruf-Buttons, die Pelegebedürftige um den Hals tragen und mit denen sie schnell Hilfe holen können gibt es bereits heute. Unter dem Stichwort „Ambient Assisted Living“ gibt es aber noch reichlich unerschöpfte Möglichkeiten – z.B. Fußböden, die automatisch auf Erschütterungen reagieren. Eine Herausforderung besteht im Finden von Fachkräften. Die Sievers Gruppe bildet selbst aus und weiter, es wird aber immer schwerer geeignete Kräfte zu finden.

Unsere nächste Station ist in Vreden. Das bedeutet 75 Kilometer Fahrt durch die münsterländische Sonne. Da fällt einem wieder auf, welch schöne Landschaften NRW doch hat.

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Dort angekommen begrüßt uns Hans-Georg Schepers, Gründer der gleichnamigen Firma, die sich auf den Bau und Vertrieb von Hochpräzisionslasern spezialisiert hat. Er zeigt uns Produkte, die mit Hilfe seiner Maschinen hergestellt wurden, z.B. Briefmarken. Und wir sehen erstmal: Nichts. Erst mit Hilfe einer Lupe sind die winzigen Schriftzeichen zu erkennen, die mit bloßem Auge noch wie gewöhnliche Linien aussahen.

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Schepers beliefiert unter anderem internationale Großkonzerne und ist in diesem Bereich Weltmarktführer. Wer hätte das gedacht, hier im nordwestlichen Zipfel Nordrhein-Westfalens. Und aus den unterschiedlichsten Märkten weiß er auch, was hierzulande ein großes Hemmnis ist: Überbordende Bürokratie und Regulierung. Das muss sich ändern, damit unser Wirtschaftsstandord wettbewerbsfähig bleibt. Die Laser schaffen Gravuren, die selbst auf einem Haar noch ausreichend Platz hätten.

Am Abend fahren wir dann zurück nach Coesfeld. Hier geht es ins Brauhaus Stephanus. Nicht (nur) zum Feierabendbier, sondern zum Münsterländer Handwerksdialog. Denn auch die Braukunst ist ein Handwerk, gerade dieses Jahr 500 Jahre alt geworden. Gekommen sind auch Josef Trendelkampf, Vorstand der Handwerkskammer Münster, und Ferdinand Limberg, Vorstand der Kreishandwerkschaft Coesfeld. Aus der Diskussion ergeben sich zentrale Themen für das Handwerk, die sich auch in den Betrieben am Tag schon zeigten: Fachkräftemangel, zu viel Bürokratie und Chancen wie Herausforderungen durch die Digitalisierung.

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Tag 2: Ostwestfalen-Lippe

Ein neuer Tag in NRW: Bei unserem ersten Termin geht es gleich um Heavy Metal! Er führt uns zur Bauschlosserei Grewing in Lübbecke. Seit 2012 leitet Hardy Grewing den 1981 gegründeten Familienbetrieb, der sich auf Metallbau, Edelstahl und Stahlkonstruktionen spezialisiert hat.

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Ralph Bombis bei der Bauschlosserei Grewing

Einen großen Teil seiner Umsätze erwirtschaftet Grewing mit öffentlichen Aufträgen. Kein Wunder, dass bürokratische Vorgaben hier eine Menge Aufwand verursachen. Außerdem haben sich die Anforderungen in den letzten Jahren verschärft. Wo früher noch ein Meister reichte, müsse heute meist ein Schweißeringenieur anwesend sein. Es zeigt sich ein mangelndes Bewusstsein für das Handwerk, auch und vor allem an den Schulen. Dadurch hat der Betrieb Schwierigkeiten, geeigneten Nachwuchs zu finden.

Weiter geht es nach Herford. Hier fühlen wir Volker Rosenberger auf den Zahn. Der Obermeister der Zahntechnikerinnung Bielefeld unterhält ein eigenes Dentallabor und beschäftigt elf Mitarbeiter, darunter vier Auszubildende.

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(v.l.) Volker Rosenberger (Innungsobermeister Zahntechniker), Stephen Paul (Kreisvorsitzender und Landtagskandidat aus Herford), Ralph Bombis und Siegfried Mühlenweg, vorne: Frau Twistel (Zahntechnikerin)

Eine große Herausforderung besteht für Rosenberger in der Konkurrenz zu Zahnarztpraxen, die eigene Labore betreiben. Hier werden dann oft die lukrativeren Aufträge erledigt. Dazu kommt auch bei Rosenberger, wie in so vielen Bereichen, das Nachwuchsproblem. Die Gesellenzahlen sind insgesamt fast auf die Hälfte gesunken.

In Steinhagen bei der Firma Stoll Gebäude-Service erleben wir gemeinsam mit Björn Kerbein, was Integration in der Praxis bedeutet. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 2.500 Mitarbeiter aus 50 verschiedenen Nationen. Aktuell gehören dazu 15 Auszubildende in  drei Ausbildungsgängen: Gebäudereinigung, Büromanagement sowie Schutz und Sicherheit. Dabei ist auch hier die Ausbildungssituation ein Dauerproblem. Geschäftsführer Peter Stoll hat mehr Lehrstellen als Bewerber. Umso bedeutender wird da die Flüchtlingsthematik.

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Björn Kerbein, Ralph Bombis und Peter Stoll

Belastungen spürt Stoll außerdem vor allem durch überbordende Bürokratie. Das verursacht nicht nur mehr Arbeit, sondern im Falle von bewaffneten Zöllnern, die die Einhaltung des Mindestlohns kontrollieren, auch ein unangenehmes Gefühl.

Zum Abschluss des Tages geht’s dann nach Detmold zum Handwerksdialog. Im Fokus steht die Ausbildung. In einem Punkt sind sich die Teilnehmer um Ralph Bombis, Michael H. Luther (stellvertretetnden Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Detmold) und Mickel Biere (stellvertretetnder Kreishandwerksmeister Lippe) einig: Es bedarf einer Aufwertung der handwerklichen Ausbildung und des Berufsstandes an sich. Das gilt auch und vor allem für das duale Bildungsystem gegenüber der immer weiter zunehmenden Akademisierung.

 

Tag 3 & 4: Rheinland und Bergisches Land

Mitte der Woche geht es nach Leverkusen. Gemeinsam mit Yvonne Gebauer besucht Ralph Bombis das Wuppermann Bildungswerk. Die gemeinnützige Gesellschaft fördert die berufliche Qualifizierung unterschiedlicher Personengruppen in der Region und versteht sich als Partner der regionalen Wirtschaft sowie öffentlicher und privater Institutionen in allen Fragen der beruflichen Bildung. Schwerpunkt ist die Erstausbildung für kleine und mittelständische Familienunternehmen. Zudem führt das Bildungswerk Berufsvorbereitungskurse für Flüchtlinge mit den Schwerpunkten Wertevermittlung, Sprache und Berufsorientierung durch.

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Ein aktuelles Thema sind auch Frauen im Handwerk. Da Wuppermann größtenteils junge Männer betreut, plant das Bildungswerk ein Mädchenprojekt. Hier soll eine geschlossene Mädchengruppe an die technische Ausbildung herangeführt werden.

Entgegen der vielen anderen Erfahrungen ist der Fachkräftenachwuchs bei Schreiner Schlechter in Wuppertal, den Ralph Bombis gemeinsam mit Marcel Hafke besucht, kein großes Problem. Der Betrieb, der in zweiter Generation geführt wird und sich auf hochwertigen Innenausbau vor allem für Geschäfte und Büros spezialisiert hat, erhält reichlich Bewerbungen.

Viel problematischer ist für schlechter die Infrastruktur in NRW. Inhaber und Geschäftsführer Schlechter muss durch die vielen Staus immer wieder Verluste einstecken und sieht daher großen Nachholbedarf bei den Autobahnen, vor allem im Raum Köln-Düsseldorf. Der Betrieb nimmt sogar lieber weiter entfernte Aufträge an, da Übernachtungen und Spesen günstiger sind als mehrfache Fahrten und der damit verbundene Zeitverlust im Stau.

Weiter geht’s mit Dirk Wedel zu Installateur und Heizungsbauer Martin Preuß in Mettmann. Der beschäftigt 30 Mitarbeiter, darunter zehn Auszubildende. Preuß engagiert sich ehrenamtlich im innungseigenen Gesellenprüfungsausschuss. Sein Betrieb ist Partner im Kooperationsnetz Schule-Wirtschaft und hat jedes Jahr knapp 20 Praktikanten. Und auch die Zukunft in der Führung des Familienbetriebs ist bereits geregelt: Beide Söhne arbeiten im Unternehmen. Sohn Maximilian, Meister für Heizungs- und Sanitätshandwerk, tritt die Nachfolge an.

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Durch seine ehrenamtliche Tätigkeit hat Martin Preuß gute Einblicke in die Nachwuchsförderung. Nachholbedarf, um das Interesse am Handwerk stärker zu wecken, sieht er vor allem in den Schulen. Das Handwerk sei vor allem für diejenigen ansprechend, die mit den Händen arbeiten wollen, nicht mit dem Papier.

Tag 5: Südwestfalen

Letzter Tag einer ereignisreichen Woche für Ralph Bombis. Die Handwerkstour führt ihn nach Schwerte und Holzwickede. Begleitet wird er dabei von Susanne Schneider. Die ist auch gleich mitten im Geschehen und wagt ein Experiment: handgewickelte Locken von Ralph Bombis.

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Friseur-Meisterin Elif Yildirim ist seit 1998 selbstständig und hat mittlerweile drei Läden in Schwerte. Insgesamt hat sie 20 Mitarbeiter, packt aber selber 6 Tage die Woche mit an. Probleme hat Yildirim bei der Suche nach geeigneten Auszubildenden. Sie sucht derzeit 2 Azubis, findet aber niemanden. Oft hätten die Jugendlichen falsche Vorstellungen vom Arbeitsleben und seien schlecht vorbereitet. Die Schulen müssten hier praxisnaher ausbilden. Auch die bürokratischen Hürden machen ihr zu schaffen. Zur Bewältigung des Verwaltungsaufwandes habe Yildirim eine Mitarbeiterin einstellen müssen, da das alleine nicht mehr zu bewältigen sei.

Zum krönenden Abshluss der Tour kommt noch etwas Farbe ins Spiel. Es geht zu Malermeister Frank Rombeck nach Holzwickede. Er hat schon vor 21 Jahren den Betrieb von seinem Vater übernommen und beschäftigt sechs Mitarbeiter.

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Rombeck sieht vor allem Probleme in der Nachwuchssituation. Die Suche nach Auszubilden gestalte sich problematisch, da es an motivierten jungen Menschen mangele, die sich für eine Laufbahn im Handwerk interessieren. Den zunehmenden Bürokratieaufwand empfindet auch er als Belastung.

Ralph Bombis hat jede Menge Eindrücke aus vielen ganz unterschiedlichen Unternehmen mit nach Düsseldorf genommen. Die von den Betrieben geschilderten Herausforderungen helfen, um die politische Arbeit zu gestalten. Wir haben gemerkt, dass unter anderem der Nachwuchs und die Bürokratie im Zentrum stehen. „Schülerinnen und Schüler müssen besser für eine Ausbildung in den Betrieben vorbereitet werden. Das Handwerk braucht dringend Nachwuchs, dazu müssen auch die Schlüsselkompetenzen vermittelt werden. Neben lesen, schreiben und rechnen gehört ein versierter Umgang mit digitalen Medien und IT-Kompetenz unbedingt dazu. Hier braucht NRW dringend ein Update“, bilanziert Ralph Bombis. Die FDP-Fraktion möchte Handwerk und Mittelstand stärken, um Arbeitsplätze zu sichern und Aufstiegschancen zu verbessern. Grundvoraussetzung dafür: Bürokratie muss abgebaut und Innovationen ermöglicht werden.“ Denn so kann das #HandwerkNRW einen wichtigen Beitrag leisten, NRW wieder auf Wachstumskurs zu bringen.

Der zweite Teil der Tour im Sommer 2016 führt Ralph Bombis in weitere Betriebe, u.a. am Niederrhein, im Ruhrgebiet und in der Region Aachen.

 

 

 

 

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