Ökonomische Kenntnisse vermitteln – Einführung eines Schulfachs Wirtschaft

„Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“ Dieser Tweet, der vor rund drei Jahren von der Schülerin Naina aufgesetzt wurde, löste eine öffentliche Debatte über ein Thema aus, das in Fachkreisen seit Jahren immer wieder debattiert wird: Das Thema Verbraucherbildung und das Wissen über wirtschaftliche Gesamtzusammenhänge kommen in den Schulen zu kurz. „Die FDP-Fraktion ist seit vielen Jahren ein Verfechter eines Schulfaches Wirtschaft. Deswegen setzen wir uns gemeinsam mit der CDU auf Grundlage unseres Koalitionsvertrags dafür ein, in NRW ein eigenes Schulfach Wirtschaft einzuführen“, erläutert unsere schulpolitische Sprecherin Franziska Müller-Rech. Aber wie kann die Einführung eines solchen Faches zielführend organisiert werden? Welche Aus- und Weiterbildung brauchen die Lehrkräfte, die dieses Fach unterrichten sollen? Welche Inhalte sollen vermittelt werden? Über diese und weitere Fragen haben Franziska Müller-Rech und der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Marcel Hafke gemeinsam mit renommierten Experten sowie rund 120 Teilnehmenden in einem Werkstattgespräch diskutiert.

 

 

 

 

 

Dabei bietet das Format des Werkstattgesprächs einen guten Rahmen zum Austausch, so Marcel Hafke. „Es ist der FDP-Fraktion ein besonderes Anliegen, Menschen bei der Gestaltung von Politik mitzunehmen. Der intensive Austausch bei unserem Werkstattgespräch hat uns gezeigt, wie groß das Interesse an der Einführung des Schulfachs Wirtschaft in NRW ist. Viele Menschen haben ihre Leidenschaft zu dem Thema mit in die Diskussion gebracht und uns viel Input sowie verschiedene Ideen geliefert. Ein echter Gewinn.“

Die Expertenrunde setzte sich zusammen aus Brigitte Balbach, Vorsitzende von Lehrer NRW, Prof. Dr. Thomas Retzmann vom Lehrstuhl  für Wirtschaftswissenschaften und Didaktik der Wirtschaftslehre von der Universität Duisburg-Essen sowie dem Geschäftsführer Bildung und Fachkräfte der IHK NRW, Robert Schweizog. Die Kombination aus Schule, Wissenschaft und Wirtschaft hat sich als äußerst lebendig, konstruktiv und gehaltvoll erwiesen.

 

 

 

 

 

Brigitte Balbach hat bereits an dem von der letzten schwarz-gelben Regierung initiierten Modellprojekt „Wirtschaft an Realschulen“ mitgewirkt. Das erfolgreiche Projekt wurde zum Leidwesen aller Beteiligten von der Nachfolgeregierung unter Rot-Grün nicht weiterverfolgt. Umso mehr freut es Brigitte Balbach, dass das Thema wieder auf der Agenda sitzt: „Ich habe das persönliche Anliegen, dass wir das, was damals in der Schulform Realschule erarbeitet wurde, in einen neuen Ansatz einbringen dürfen.“ Die wissenschaftliche Sicht wurde dann von Prof. Thomas Retzmann ergänzt. Er warnt davor, einen Gegensatz zwischen humanistischer und ökonomischer Bildung aufzumachen. Man könne die Welt heutzutage aber nicht mehr verstehen, ohne über ein gewisses Maß an ökonomischer Bildung zu verfügen. „Die Erschließung des Individuums für diese Welt und die Erschließung dieser Welt für das Individuum, das ist unsere Aufgabe“, sagt Retzmann.

Was bedeutet das Fach Wirtschaft aus Sicht der Wirtschaft? Robert Schweizog legte dar, dass die Haltung in Schulbüchern überwiegend eine marktskeptische sei. Außerdem fehlen ihm in den Schulbüchern neben den volkswirtschaftlichen die betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge sowie die Verbraucherbildung. Aus Wirtschaftssicht begrüßte er, dass das Thema Wirtschaft in den Schulen stärker verankert wird. „Es geht aber nicht nur darum, mündige Fachkräfte zu bilden. Durch die richtige Gestaltung des Faches lernt man auch fürs Leben und schafft damit auch mündige Verbraucher und Bürger“, erklärt Robert Schweizog.  Alle Teilnehmenden der Expertenrunde waren sich darin einig und befürworten eine stärkere Verankerung von Wirtschafts- und Verbraucherthemen in den Schulen.

Das große Interesse an dem Thema spiegelte sich auch in der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wider. Aktive und pensionierte Lehrerinnen und Lehrer, Schulleiter, Unternehmer und Verbandsvertreter tauschten sich über die aktuelle Situation an den Schulen aus und machten Verbesserungsvorschläge. Auch anwesende Schüler brachten sich in die Diskussion ein.  Das Ergebnis fasste Prof. Retzmann so zusammen: „Es muss deshalb ein eigenes Fach Wirtschaft sein, weil man es über Jahrzehnte hinweg vergeblich anders versucht hat.“

 

 

 

 

 

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RE-LIVE

Hier die ganze Veranstaltung im Facebook-Live Video zum Nachschauen

Tweets & Co.

2 Gedanken zu „Ökonomische Kenntnisse vermitteln – Einführung eines Schulfachs Wirtschaft

  1. Ich halte die Einführung und hier explizit das Fach Wirtschaft für dringend geboten. Man sollte schon in den Hauptschulen damit anfangen.
    Warum ich dies auch gut finde ist das ich während meiner aktiven Zeit als Bankkaufmann schon Unterricht in den Abschlussklassen von Haupt/Real/Gym.
    durchgeführt habe.Erschreckend wie wenig Wissen im vorgenannten Fach vorhanden war. Möglichkeiten was nach einer Kontoeröffnung machbar ist waren fast gar nicht präsent. Diese und weitere Kenntnisse sind aber im Leben sehr wichtig.

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